Arne Hoffmann vom 15.07.2026
Wie Männer zu den Schurken der Geschichte wurden – und warum die „Manosphäre“ so wichtig ist
Im Rahmen der Aufarbeitung von 25 Jahren Geschichte des VAfK Karlsruhe und der Konzeption der Jubiläums-Broschüre dazu stieß ich auf den aktuellen Aufsatz von Arne Hoffmann, der die Geschichte der Deutungshoheit in Geschlechterfragen beschreibt und interpretiert.
Arne Hoffmann vertritt unter Bezug auf Tom Golden die These, dass sich das gesellschaftliche Bild von Männern seit den 1960er Jahren schrittweise verändert habe: von einer überwiegend positiven oder neutralen Darstellung hin zu einer Erzählung, in der Männer vor allem als Unterdrücker, Täter und Träger patriarchaler Macht erscheinen. Diese Entwicklung sei nicht zufällig, sondern durch kulturelle, akademische, politische und mediale Prozesse entstanden.
Die sieben Phasen
- Sichtbarmachung einer Frauengeschichte
- Ausgangspunkt sei der berechtigte Versuch gewesen, die Leistungen von Frauen sichtbarer zu machen.
- Dieser Ansatz habe sich später von einer Ergänzung der Geschichte zu einer reinen Kritik an Männern entwickelt.
- Misstrauen gegenüber Männlichkeit
- Feministische Theorien interpretierten zunehmend männliche Autorität, Führung und Kultur als Ausdruck patriarchaler Macht.
- Konzepte wie der „male gaze“ hätten diese Sichtweise verbreitet.
- Institutionalisierung
- Die neuen Deutungsmuster seien in Hochschulen, Gesetzgebung und Rechtspolitik übernommen worden.
- Als Beispiele nennt der Autor Women’s Studies, das Duluth-Modell häuslicher Gewalt, den Violence Against Women Act sowie die verschuldensunabhängige Scheidung.
- Besonders betont wird, dass dadurch männliche Opfer und die Bedeutung von Vätern zunehmend aus dem öffentlichen Blick geraten seien.
- Popularisierung durch Medien
- Nachrichten und Unterhaltung hätten das Bild der Frau als Opfer und des Mannes als Täter oder Problemfigur verstärkt.
- Leiden von Männern (Suizide, Arbeitsunfälle, Obdachlosigkeit, Scheidung, Kontaktverlust zu Kindern) werde deutlich seltener thematisiert.
- Kulturelle Sättigung
- Filme, Serien und Werbung hätten diese Rollenbilder weiter verfestigt.
- Männer erschienen häufig als Hindernis, Frauen als Befreite oder Heldinnen.
- Verstärkung durch das Internet
- Soziale Medien hätten vereinfachte Schlagworte wie „toxische Männlichkeit“ oder „Patriarchat“ verbreitet und komplexe Diskussionen verdrängt.
- Ende des Meinungsmonopols
- Gleichzeitig habe das Internet erstmals Gegenpositionen ermöglicht.
- Väterorganisationen, Forscher, Psychologen und unabhängige Autoren könnten heute ein großes Publikum erreichen.
- Die sogenannte „Manosphäre“ interpretiert der Autor deshalb weniger als einheitliche Bewegung, sondern als Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Stimmen, die das bisher dominierende Narrativ infrage stellen.
Schlussfolgerung
Nach Auffassung des Autors besitzt das bisher vorherrschende Geschlechter-Narrativ heute kein Monopol mehr. Der Begriff „Manosphäre“ werde häufig genutzt, um kritische Positionen zu delegitimieren, anstatt sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Er fordert deshalb, Aussagen unabhängig von ihrer Herkunft anhand von Belegen zu bewerten und weder feministische noch männerrechtliche Positionen von vornherein zu privilegieren.
Arne Hoffmanns zentrale Botschaft in einem Satz
Der Text beschreibt eine über Jahrzehnte verlaufene kulturelle Entwicklung, in der Männer zunehmend negativ dargestellt wurden, und interpretiert die Entstehung der „Manosphäre“ als Reaktion auf die Institutionalisierung eines aus Sicht des Autors bestehenden feministischen Meinungs- und Deutungsmonopols über Geschlechterfragen.
… und noch ein Satz…
Damit beschreibt Arne Hoffmann die Entwicklung des Feminismus von einer Gleichberechtigungsbewegung zu einer kulturell dominierenden Deutungsideologie, die Männer zunehmend als strukturelle Täter definiert, und versteht die Manosphäre als Gegenbewegung gegen dieses institutionalisierte Deutungsmonopol.
Zitate
Phase 1
„Das erklärte Ziel bestand darin, die verlorene Geschichte der Frauen wiederzugewinnen. Doch aus Wiedergewinnung wurde bald Neuinterpretation. Die Leistungen der Männer waren nicht länger einfach Leistungen. Sie wurden zu Belegen für Ausschluss. Autorität von Männern wurde zu Unterdrückung. Führung durch Männer wurde zum Patriarchat. Schutz durch Männer wurde zu Kontrolle. Versorgung durch Männer wurde zu Privileg.“
Phase 4
„Das Leiden von Frauen konnte personalisiert werden. Das Leiden von Männern wurde gewöhnlich abstrahiert oder ignoriert. Tote Soldaten, tote Bergarbeiter, tote Monteure von Stromleitungen, tote Fischer, geschiedene Väter, obdachlose Männer, suizidgefährdete Männer, zu Unrecht beschuldigte Männer und entfremdete Väter passten selten in das bevorzugte Narrativ.“
Phase 5
„Filme, Fernsehen, Werbung und später Streaming-Plattformen wiederholten zunehmend dieselbe moralische Struktur: Frauen erwachen, Frauen entkommen, Frauen leisten Widerstand, Frauen heilen von den Männern. Gleichzeitig wurden Männer häufiger als Hindernisse, Narren, Räuber, Unterdrücker oder emotional defekte Wesen dargestellt, die korrigiert werden müssten.“
Phase 6
„Das Internet schuf den antimännlichen Deutungsrahmen nicht. Es beschleunigte ihn. Soziale Medien belohnten Empörung, Vereinfachung, Wiederholung und moralische Anklagen. Komplexe Geschichte wurde zu Hashtags. „Patriarchat“, „toxische Männlichkeit“, „glaubt Frauen“ und „Männer sind Müll“ verbreiteten sich weiter und schneller als jede sorgfältige Diskussion über männliche Opferbereitschaft, männliche Pflicht, männliche Entbehrlichkeit oder den Beitrag von Männern.
Die Akteure dieser Umschreibung waren nicht alle gleich.
Akademiker lieferten die Theorie. Aktivisten lieferten die Dringlichkeit. Journalisten lieferten die Geschichten. Gesetzgeber lieferten die Autorität. Filmemacher lieferten die Bilder. Die sozialen Medien lieferten die Durchsetzung.“
Phase 7
„Dieselbe Technologie, die die Umschreibung des Bildes von Männern beschleunigte, machte es auch möglich, sie infrage zu stellen.
Über nahezu drei Jahrzehnte hinweg hatten die Institutionen, die das öffentliche Verständnis der Geschlechter prägten, mit bemerkenswerter Geschlossenheit gesprochen. Universitäten, große Zeitungen, Fernsehsender, Verlage, Hollywood und viele Berufsverbände übernahmen zunehmend denselben Deutungsrahmen. Es gab zwar immer abweichende Stimmen, doch sie verfügten selten über vergleichbaren Einfluss oder Zugang zu einem großen Publikum. Die standardmäßige Vorstellung von der Frau als Opfer wurde kaum infrage gestellt.
Das Internet veränderte dies. Das Internet gibt, und das Internet nimmt.
Zum ersten Mal seit Generationen benötigten gewöhnliche Menschen nicht länger die Zustimmung traditioneller Torwächter, um Millionen Leser oder Zuschauer zu erreichen.“