Zunehmend zeigen kluge Verlierer im typisch deutschen Residenzmodell, dass sie verstanden haben, wie die ideologisch gesteuerten Mechanismen in unserem Land funktionieren und sie konfrontieren die Professionen mit ihren Unfähigkeiten.
Ich möchte Beispiele dafür hier einstellen.
Das 1. Beispiel ist der Brief eines Vaters an die fallverantwortliche Person im Jugendamt.
Guten Tag, liebe Vertreterin des Jugendamtes,
ich wäre dankbar, wenn sich jemand innerhalb der Professionen finden würde, der den Mut hat, die Perspektive des Getrennterziehens in den Fokus zu nehmen, will heißen: beide Eltern erziehen, eben getrennt, und nicht nur ein Elternteil, hier die Mutter. Andere Länder wie z. B. Dänemark haben das deutsche mittelalterlich anmutende Familienrechts-System zum Kindeswohl schon länger überwunden.
Darüber hinaus könnten wir als Eltern doch hunderte Beispiele nennen, wo wir der Selbstwirksamkeit der Kinder Einhalt gebieten („ich will nicht zum Vater“, sagt das beeinflusste Kind). Die folgenden Beispiele kommen vermutlich in jeder Familie vor:
- Ich will mich nicht mit Sonnenschutz eincremen.
- Ich will das ganze Wochenende Nintendo-Switch spielen.
- Ich habe keine Hausaufgaben mehr zu machen.
- Ich habe keine Lust auf Mathe, das brauche ich sowieso nie wieder.
- Ich will ein noch größeres Eis, noch mehr Schokolade, nur noch bei McDonalds/BurgerKing essen…
- Ich will alle Geschenke auf meinem Wunschzettel zu Weihnachten haben, alle!
- Ich will keine Mütze, Handschuhe, Schal anziehen.
- Ich will nicht den Tisch abräumen, den Gehweg kehren, im Garten Laub fegen, die Mülltonnen an die Straße stellen, mit Dir einkaufen gehen, das Auto saugen, mit zum Tanken gehen…
- Etc.
In all diesen Fällen beschränken wir die Selbstwirksamkeit unserer Kinder, selbstverständlich, auch „wenn das Kind es anders will“… nur beim getrenntlebenden Vater soll diese kindliche Selbstwirksamkeit die „conditio-sine-qua-non“ sein. Übrigens, weil die Mutter es so will.
Ist das wirklich so?
Soll das der Zustand sein, den die Professionen in ihrer Fachlichkeit anstreben?
Spiegelt das die Realität im deutschen Familienrecht wider?
Mit Verlaub: Das halte ich für töricht und es kommt doch unserem Anspruch einer aufgeklärten Gesellschaft überhaupt nicht nach! Eine solche Haltung scheint mir eher die Begründung dafür zu sein, dass niemand (!) genau(er) hinsehen muss, weil familiale Intervention eben nicht schwarz/weiß, sondern grau ist. Und dann würde es mühsam werden, man müsste eine Meinung vertreten, argumentieren, abwägen, Dialoge führen, Kompromisse suchen, sich streiten, zusammenführen, sich einbringen… und das alles sogar gegen eine MUTTER! Und – man würde sich in seinem Handeln angreifbar machen.
Wer will das schon, die Dokumentation des IST-Zustands ist doch so viel bequemer, also: „Kind will nicht zum Vater, fertig!“ So lebt die Mütterzentrierung im Residenzmodell einfach weiter… der Vater und seine Vaterfunktion sind zu tilgen. Hmm, echt!?
Mit anderen Worten: Das Feigenblatt des Systemversagens im Familienrecht mit der Formel „Das (mutterbeeinflusste) Kind will nicht zum Vater“ wären vorsichtig beiseite zu schieben, um wirkliche familiale Intervention beginnen zu lassen – gerne auch mit unbekanntem Ausgang.
Das würde ich mir wünschen. Mit der Caritas stünde eine Organisation bereit, die das prinzipiell leisten könnte. Nur müsste man auch dort die ideologische Vorprägung der „heiligen Mutter“ vom Thron stoßen und ausgetretene wie bekannte Pfade verlassen. Das würde Mut erfordern… und wäre doch im Interesse unserer Kinder, letztlich im Interesse des vielzitierten Kindeswohls, um das es ja offenbar gehen soll.
Bei der Gelegenheit gebe ich wiederholend zu Protokoll, dass ich für jedwedes Format zur Verfügung stehe, das im wohlverstandenen Interesse unserer Kinder ist.
Alle Kinder brauchen beide Eltern!
„…ein „entsorgter“ Vater,
der niemals aufhören wird,
sich für seine Kinder einzusetzen…“