English translation see below
Die Bezeichnung „Männermanifest der Grünen“ ist ungenau. Es handelt sich nicht erkennbar um einen Beschluss der Partei oder der Bundestagsfraktion, sondern um ein gemeinsames Impulspapier von 15 grünen Mandats- und Funktionsträgern. Der vollständige Titel lautet:
„Starke Männer übernehmen Verantwortung – Eine Einladung für moderne Männlichkeit“
Zu den Unterzeichnenden gehören unter anderem Franziska Brantner, Ricarda Lang, Terry Reintke, Julian Joswig, Rasmus Andresen, Max Lucks und Robin Wagener.
Der Text ist keine Männerpolitik im engeren Sinne. Er ist der Versuch, innerhalb eines feministischen Deutungsrahmens ein positives Rollenangebot für Männer zu formulieren.
Das Ausgangsaxiom
Das Manifest beginnt mit einer umfassenden historischen Behauptung:
Männlichkeit sei „jahrhundertelang“ über Dominanz, Unterwerfung, Härte und das Verbergen von Schwäche definiert worden.
Dieses Männerbild habe vor allem Frauen „unermessliches Leid“ zugefügt. Der Feminismus habe dagegen zu Recht angekämpft.
Damit wird das gesamte Modell auf ein erstes Axiom gestellt:
Traditionelle Männlichkeit ist primär ein Herrschaftssystem.
Das ist keine beiläufige Einleitung. Es ist der Generator des gesamten Textes. Aus ihm werden alle weiteren Aussagen abgeleitet:
- alte Männlichkeit = Dominanz,
- Feminismus = notwendige Befreiung,
- moderne Männlichkeit = korrigierte, feministisch eingehegte Stärke.
Der Mann erscheint zunächst nicht als geschichtlich ebenfalls belastetes, opferfähiges und schutzbedürftiges Wesen, sondern vor allem als Träger eines problematischen Machtsystems.
Das Papier beginnt also nicht mit der Frage: Was haben Männer für Gesellschaften geleistet, getragen und erlitten?
Sondern mit: Welches Leid hat das überkommene Männerbild verursacht?
Das legt die Perspektive bereits fest.
Die Selbstkritik
Dann folgt der politisch interessanteste Gedanke des Papiers:
Die progressive Seite habe ausführlich definiert, was Männer nicht sein sollten, aber kein positives Angebot dafür entwickelt, was Männlichkeit sein könne.
Dadurch sei ein Vakuum entstanden, das nun von Andrew Tate, der „Manosphere“ und rechten Akteuren gefüllt werde.
Das ist mehr als eine kommunikative Panne. Es ist das Eingeständnis eines Konstruktionsfehlers:
Ein vorhandenes Rollenmodell wurde dekonstruiert.
Seine negativen Bestandteile wurden benannt.
Seine positiven Funktionen wurden nicht systematisch erfasst.
Ein Ersatzmodell wurde nicht aufgebaut.
Das entstandene Orientierungsdefizit wurde anderen Akteuren überlassen.
Man hat das alte System zerlegt, ohne zuvor zu verstehen, welche Funktionen es erfüllte.
Das Manifest erkennt das entstandene Vakuum, analysiert aber noch nicht vollständig, warum es entstanden ist.
Denn das Problem war vermutlich nicht nur, dass man zu wenig freundlich über Männer gesprochen hat. Das tiefere Problem liegt darin, dass männliche Eigenschaften lange überwiegend danach bewertet wurden, wie sie auf Frauen wirken:
Männliche Stärke als mögliche Bedrohung,
männliche Autorität als Dominanz,
männlicher Schutz als Kontrolle,
männliche Versorgung als Machtgefälle,
männlicher Wettbewerb als Aggression.
Das Manifest versucht nun, einige dieser Eigenschaften zurückzuholen – aber weiterhin unter der Voraussetzung, dass ihre Legitimität erst durch eine feministische Prüfung hergestellt werden müsse.
Die neue Formel
Der zentrale Satz lautet sinngemäß:
Sei der Mann, der du sein willst – aber immer nur in Verantwortung für andere.
Am Ende wird dies auf die Formel verdichtet:
Freiheit in Verantwortung. Stärke, die ermöglicht statt einschränkt.
Das Modell besteht damit aus zwei Elementen:
Moderne Männlichkeit erfüllt sich zwar in der individuellen Freiheit, die aber immer nur über die Übernahme von Verantwortung für andere legitimiert wird.
Das klingt zunächst ausgewogen.
Der Mann darf:
Trainieren, Muskeln aufbauen, ehrgeizig sein, seine Familie versorgen, andere beschützen, sich durchsetzen, Karriere machen, Hausmann sein, sensibel oder künstlerisch sein, weinen und Hilfe annehmen.
Der Text rehabilitiert damit ausdrücklich Eigenschaften, die im progressiven Diskurs teilweise unter Generalverdacht geraten waren.
Das ist eine erkennbare Korrektur.
Aber die Formel enthält eine Asymmetrie:
Die Freiheit des Mannes wird sofort an seine Verantwortung für andere gekoppelt.
Was andere ihm gegenüber schulden, bleibt offen.
Der Mann bleibt ein Funktionsträger
Der Mann darf stark sein – aber seine Stärke muss anderen dienen.
Er darf sich durchsetzen – aber nur, um „Räume für andere zu öffnen“.
Er darf beschützen – aber nur „auf Augenhöhe“.
Er darf versorgen – aber Versorgung wird vor allem als Fürsorge definiert.
Er darf Verantwortung übernehmen – für Familie, Freunde, Verein, Gesellschaft und für die Freiheit anderer.
Männliche Eigenschaft muss immer zuerst einer feministischen Prüfung unterzogen werden, die danach erst Legitimität über den Nutzen für andere vorschreibt.
Die Stärke des Mannes besitzt im Text nur begrenzt einen Eigenwert. Sie wird legitim, wenn sie niemanden einschränkt, anderen Räume öffnet, andere groß werden lässt, Gleichstellung unterstützt und bestehende Strukturen bekämpft – aber immer nur im Interesse anderer, nie im Eigeninteresse.
Damit bleibt der Mann in seiner traditionellen Funktion, obwohl das Manifest traditionelle Rollen überwinden will:
Er soll leisten, schützen, ermöglichen, muss dabei aber immer nur Verantwortung für andere tragen.
Neu ist vor allem, dass diese Pflichten nicht mehr patriarchal, sondern progressiv begründet werden.
Das alte Modell sagte: Sei stark, weil du als Mann Familie und Gemeinschaft tragen musst.
Das neue Modell sagt: Sei stark, damit andere frei werden können.
Die Begründung verändert sich. Die Erwartungshaltung an männliche Verantwortungsübernahme bleibt bestehen.
Mannsein hat sich in der Leistung (Aufopferung) – insbesondere für Frauen – zu erfüllen.
Freiheit des Mannes – aber innerhalb eines vorgegebenen feministischen Deutungsrahmens
Der Text erklärt, es gebe „unendlich viele Wege“, ein Mann zu sein. Man könne Fußball schauen oder tanzen, Muskeln aufbauen oder Poetry Slams schreiben, Karriere machen oder Hausmann sein.
Das ist eine Freiheit der Lebensstile.
Weniger offen ist die Freiheit der politischen Interpretation.
Ein Mann darf vieles sein. Aber er soll offenbar nicht zu dem Ergebnis kommen, dass Männer auch strukturell benachteiligt sein können, Feminismus nicht automatisch Männer befreit, Geschlechterkonflikte nicht ausschließlich aus männlicher Dominanz hervorgegangen sind, Frauen ebenfalls Macht ausüben und institutionelle Vorteile besitzen können und männliches Leiden nicht primär durch männliche Rollenbilder verursacht wird.
Das Manifest behauptet ausdrücklich, Feminismus und moderne Männlichkeit seien keine konkurrierenden Projekte, sondern verfolgten dasselbe Ziel.
Das wird jedoch nicht untersucht, sondern ohne Prüfung kühn vorausgesetzt.
Damit lautet ein weiteres Axiom:
Was Männer befreit, muss Bestandteil des Feminismus sein oder jedenfalls mit ihm übereinstimmen.
Ein eigenständiger männerpolitischer Erkenntnisraum entsteht nicht.
Die eigentliche Ursache männlichen Leidens
An einer Stelle nennt der Text einen konkreten schweren Nachteil von Männern:
Männer begingen häufiger Suizid und sprächen seltener über ihre Probleme.
Die Erklärung folgt unmittelbar:
Das alte Männerbild habe Männer von ihrer Menschlichkeit abgeschnitten. Das ist charakteristisch für das gesamte Papier: Ein männliches Problem wird erkannt, aber primär als Folge männlicher Sozialisation oder traditioneller Männlichkeit erklärt:
Das Männerproblem resultiert aus einem alten Männerbild, dessen herausragende Eigenschaft mangelnde Offenheit ausmacht.
Andere mögliche Ursachen werden nicht untersucht:
- Trennung und Kontaktverlust zu Kindern,
- Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Statusverlust,
- Obdachlosigkeit,
- geringe institutionelle Hilfsangebote,
- Kriminalisierung oder falsche Beschuldigung,
- gesundheitsgefährdende Arbeit,
- fehlende soziale Netzwerke,
- geringe gesellschaftliche Empathie für männliches Scheitern.
Das Modell kennt männliches Leiden, aber es behandelt den Mann weiterhin überwiegend als Mitverursacher seines eigenen Problems:
Er leidet, weil er nicht spricht, keine Hilfe sucht, Gefühle verdrängt oder einem falschen Rollenbild folgt.
Es wird nicht gefragt: Was geschieht, wenn er spricht, aber niemand zuhört?
Oder: Was geschieht, wenn sein Problem nicht emotional, sondern institutionell verursacht ist?
Der entscheidende blinde Fleck: Macht
Das Manifest spricht häufig von „Systemen“, „Strukturen“, „Dominanz“ und „Unterdrückung“.
Aber Macht wird nur in einer Richtung konkretisiert:
Männliche Macht als Gefahr für andere
Nicht sichtbar werden:
Institutionelle Macht über Männer
Weibliche Macht über Väter und Kinder
Staatliche Macht über Männer, insbesondere als Väter
Gerade im Familienrecht wäre dies zentral.
Ein Vater kann vollkommen dem im Manifest beschriebenen Ideal entsprechen: fürsorglich, gewaltfrei, emotional ansprechbar, verantwortlich, präsent, kooperativ, am Kind orientiert.
Und dennoch kann er nach einer Trennung erleben, dass sein Kontakt zum Kind reduziert wird, die Mutter den Lebensmittelpunkt bestimmt, er zum Umgangselternteil herabgestuft wird, institutionelle Entscheidungen ohne gleichwertige Beteiligung fallen, Verantwortung und tatsächliche Rechte auseinanderfallen.
Das Manifest bietet für diesen Vater keine Sprache.
Sein Scheitern lässt sich nicht mit „toxischer Männlichkeit“ erklären. Es entsteht gerade dort, wo ein Mann die geforderte Verantwortung übernehmen will, ihm aber die strukturelle Möglichkeit dazu entzogen wird.
Vaterschaft wird auf Fürsorgehandlungen verkürzt
Der Text nennt den Vater, der sich Zeit für seine Kinder nimmt, Windeln wechselt, Tränen trocknet.
Das ist positiv, aber bemerkenswert begrenzt.
Vaterschaft erscheint als Sammlung fürsorglicher Tätigkeiten. Nicht angesprochen werden:
- die eigenständige Bindungsbedeutung des Vaters,
- väterliche Autorität und Orientierung,
- die Schutzfunktion des Vaters,
- die langfristige gemeinsame Elternverantwortung,
- die rechtliche Absicherung der Vater-Kind-Beziehung,
- die Bedeutung des Vaters nach Trennung,
- das Recht des Kindes auf beide Eltern.
Der Vater wird gewissermaßen als zusätzlicher Fürsorgender unter dem Diktat durch die Mutter integriert. Er hat Auftragsnehmer der Mutter zu sein.
Nicht entwickelt wird das Modell:
Vater und Mutter sind zwei eigenständige, gleichwertige und nicht beliebig austauschbare Beziehungs- und Verantwortungsinstanzen des Kindes.
Gerade hier zeigt sich die Grenze des Ansatzes. Das Manifest denkt Vaterschaft aus der Perspektive erwünschten Verhaltens. Es denkt sie nicht als institutionell zu schützende Beziehung.
Pflichten ohne korrespondierende Rechte
Dies ist der zentrale Konstruktionsfehler.
Das Manifest fordert vom Mann:
- Verantwortung,
- Selbstreflexion,
- Fürsorge,
- Schutz,
- emotionale Offenheit,
- Rücksicht,
- Gleichstellung,
- Engagement gegen andere einschränkende Strukturen.
Es formuliert dagegen nicht:
- Rechte auf Beziehung zu den eigenen Kindern,
- Schutz vor Gewalt,
- Schutz vor falschen Beschuldigungen,
- Anspruch auf institutionelle Fairness,
- Anspruch auf gesundheitliche Unterstützung,
- Schutz vor Ausbeutung und gefährlicher Arbeit,
- gesellschaftliche Anerkennung männlicher Opfer,
- Anerkennung männlicher Lebensleistung.
Das von den Grünen entworfene System lautet damit:
Lebenserfüllung des Mannes ist, Verantwortung für andere zu übernehmen.
Die Gegenrichtung fehlt:
Die Gesellschaft übernimmt Verantwortung für Männer.
Ein tragfähiges Modell müsste beides miteinander verbinden: Verantwortung und Rechte.
Wo Verantwortung ohne Verfügungsmöglichkeiten, Anerkennung und Rechte verlangt wird, entsteht keine Freiheit, sondern Missbrauch und Überforderung.
Die zentrale Verwechslung: Rollenbild und Lebenslage
Das Manifest behandelt das Problem junger Männer vorwiegend als Orientierungsproblem.
Junge Männer bekämen widersprüchliche Botschaften. Rechte Influencer böten ihnen einfache Antworten, Feindbilder, Stärke und Bedeutung. Progressive Politik müsse deshalb ein besseres Männerbild anbieten.
Das kann ein Teil des Problems sein.
Aber möglicherweise wird hier Wirkung mit Ursache verwechselt.
Junge Männer suchen nicht nur deshalb Orientierung, weil ihnen ein positives Narrativ fehlt. Sie erleben teilweise sehr konkrete Lebenslagen:
- schlechtere Bildungsergebnisse,
- berufliche Unsicherheit,
- geringe Aussicht auf sozialen Aufstieg,
- Partnerschafts- und Familienunsicherheit,
- sinkende gesellschaftliche Anerkennung,
- fehlende politische Repräsentation ihrer Probleme
- Verfügbarkeit für gefährliche Aufgaben
- Verfügbarkeit für den Staat in Sachen militärische Optionen.
Ein Narrativ ersetzt keine Problemlösung.
Das Manifest behandelt die Abwendung junger Männer daher eher als Frage falscher Sinnangebote:
Die Orientierungslosigkeit junger Männer führe zur Anfälligkeit für rechte Angebote.
Eine alternative Erklärung wäre:
Konkrete Benachteiligung, fehlende Anerkennung und moralische Beschämung führt zur politischen Abwendung.
Diese zweite Möglichkeit wird nicht geprüft.
Der Mann wird angesprochen, aber nicht einbezogen
Der sprachliche Stil ist auffällig fürsorglich:
- Du darfst stark sein.
- Du darfst weinen.
- Du darfst Muskeln haben.
- Du darfst Karriere machen.
- Du darfst Hausmann sein.
Das klingt einladend.
Es besitzt aber auch etwas Genehmigendes:
Eine politische Gruppe erklärt Männern, welche Formen männlicher Existenz nun als legitim anerkannt werden.
Die Formulierung „Du darfst“ setzt einen Sprecher voraus, der über die kulturelle Anerkennung verfügt.
Der Mann wird damit nicht als eigenständiges politisches Subjekt eingeladen, seine Erfahrungen zu beschreiben. Ihm wird ein neues, erweitertes Rollenangebot unterbreitet.
Das Papier spricht zu Männern, nicht erkennbar aus männlichen Lebenswirklichkeiten heraus.
Was im Modell vollständig fehlt
Eine systematisch ernst gemeinte Männerpolitik müsste mindestens folgende Ebenen unterscheiden:
Biologische Ebene
- unterschiedliche Gesundheitsrisiken,
- Lebenserwartung,
- körperliche Gefährdung,
- Reproduktion und Vaterschaft.
Psychologische Ebene
- Bindung,
- Identitätsentwicklung,
- männliche Bewältigungsstrategien,
- unterschiedliche Formen von Kommunikation und Hilfesuche.
Soziale Ebene
- Bildung,
- Partnerschaft,
- Arbeit,
- Status,
- Gemeinschaft,
- Vereinsleben,
- Einsamkeit.
Institutionelle Ebene
- Familienrecht,
- Jugendhilfe,
- Gewalt- und Opferschutz,
- Gesundheitsversorgung,
- Strafrecht,
- Sozialpolitik.
Kulturelle Ebene
- Männerbilder,
- Würde,
- Anerkennung,
- Heldentum,
- Opferbereitschaft,
- historische Leistungen und Belastungen.
Das Manifest bleibt fast vollständig auf der kulturell-moralischen Ebene.
Es verändert Beschreibungen, nicht Strukturen.
Die Modellgrafik
Das Manifest konstruiert ungefähr folgenden Ablauf:
Traditionelle Männlichkeit führt zu Dominanz, Härte, Unterdrückung
Dominanz, Härte, Unterdrückung führt zu Leid von Frauen und Männern
Leid von Frauen und Männern führt zu feministischer Dekonstruktion
Feministische Dekonstruktion führt zu einem Orientierungsvakuum
Orientierungsvakuum führt zum Einfluss derManosphere und rechte Angebote
Einfluss der Manosphere und rechte Angebote bedingen die Konstruktion von Moderner Männlichkeit
Moderne Männlichkeit führt zu Freiheit + Stärke + Verantwortung für andere
Was in diesem Modell nicht vorkommt:
- Eigenständige Interessen von Männern benennen institutionelle Benachteiligung und weibliche Handlungsmacht.
- Eigenständige Interessen von Männern fordern Rechte als Voraussetzung von Verantwortung.
- Unter Einbeziehung von Väterlichkeit als Äußerung von Männlichkeit muss das Dreieck Vater–Mutter–Kind als Grundstruktur institutionalisiert sein.
Wie ein vollständigeres Modell aussehen müsste
Ein tragfähigeres Manifest könnte von einem anderen Ausgangspunkt beginnen:
Männer sind weder bloße historische Herrscher noch unvollständige Frauen. Sie sind Menschen mit eigenen körperlichen Voraussetzungen, Bindungsformen, Leistungen, Gefährdungen, Bedürfnissen, Rechten und Verantwortungen.
Daraus würde folgen:
Gute Männlichkeit = Selbstverantwortung + Verantwortung für andere + legitime Eigeninteressen + gesellschaftlich gesicherte Rechte
Für Väter müsste die Formel lauten:
Väterliche Verantwortung↔väterliche Beziehung↔väterliche Rechte
Und für das Kind:
Kindeswohl = gesicherte Beziehung zu Mutter und Vater
soweit nicht konkrete Gefährdungen entgegenstehen.
Das wäre keine Rückkehr zum Patriarchat. Es wäre die institutionelle Umsetzung dessen, was das Manifest nur moralisch fordert: Verantwortung tatsächlich ermöglichen.
Resumee
Das Papier ist durchaus bedeutsam, weil es einen echten innergrünen Erkenntnisschritt dokumentiert:
Die ausschließliche Problematisierung von Männlichkeit hat ein Vakuum geschaffen.
Das ist eine bemerkenswerte Selbstkorrektur.
Aber das Manifest bleibt auf halbem Wege stehen.
Es rehabilitiert männliche Stärke, ohne männliche Interessen wirklich anzuerkennen.
Es fordert Verantwortung, ohne die dafür notwendigen Rechte zu benennen.
Es nennt männliches Leiden, erklärt es aber überwiegend durch falsche Männlichkeit.
Es beschreibt fürsorgliche Väter, ohne die Vater-Kind-Beziehung institutionell zu schützen.
Es verspricht Freiheit, hält diese Freiheit aber innerhalb des bisherigen feministischen Deutungsrahmens.
Meine zugespitzte Zusammenfassung wäre:
Das Manifest befreit Männer von der Pflicht, einem einzigen Männerbild zu entsprechen. Es befreit sie aber nicht von der Pflicht, ihre Existenz vor allem über ihren Nutzen für andere zu legitimieren.
Oder noch knapper:
Der Mann darf wieder stark sein – aber immer nur in der Aufopferung für andere, insbesondere für Frauen.
Translation
The title ‘The Greens’ Men’s Manifesto’ is somewhat misleading. It is not, as far as can be ascertained, a resolution passed by the party or the parliamentary group in the Bundestag, but rather a joint position paper drawn up by 15 Green elected representatives and officials. The full title is:
‘Strong Men Take Responsibility – An Invitation to Modern Masculinity’
The signatories include, amongst others, Franziska Brantner, Ricarda Lang, Terry Reintke, Julian Joswig, Rasmus Andresen, Max Lucks and Robin Wagener.
The text is not a policy on men in the strict sense. It is an attempt to formulate a positive role model for men within a feminist framework.
The starting premise
The manifesto begins with a sweeping historical assertion:
Masculinity has been defined “for centuries” in terms of dominance, subjugation, toughness and the concealment of weakness.
This image of men has, above all, caused women ‘immeasurable suffering’. Feminism has, quite rightly, fought against this.
This places the entire model on a single foundational premise:
Traditional masculinity is primarily a system of domination.
This is no casual introduction. It is the driving force behind the entire text. All subsequent statements are derived from it:
- traditional masculinity = dominance,
- feminism = necessary liberation,
- modern masculinity = corrected, feminist-constrained strength.
At first glance, men do not appear as beings who are themselves historically burdened, capable of sacrifice and in need of protection, but rather, above all, as the bearers of a problematic system of power.
The paper therefore does not begin with the question: What have men contributed to societies, w ly borne and endured?
But rather with: ‘What suffering has the traditional image of men caused?’
This already sets the perspective.
Self-criticism
This is followed by the paper’s most politically interesting idea:
The progressive camp has defined in detail what men should not be, but has failed to develop a positive alternative for what masculinity could be.
This has created a vacuum that is now being filled by Andrew Tate, the ‘manosphere’ and right-wing figures.
This is more than just a communication blunder. It is an admission of a structural flaw:
An existing role model was deconstructed.
Its negative aspects were identified.
Its positive functions were not systematically documented.
A replacement model was not established.
The resulting lack of direction was left to other stakeholders to deal with.
The old system was dismantled without first understanding the functions it fulfilled.
The manifesto recognises the resulting vacuum, but does not yet fully analyse why it arose.
For the problem was presumably not merely that people spoke too unfavourably about men. The deeper problem lies in the fact that masculine traits have long been assessed primarily on the basis of how they are perceived by women:
male strength as a potential threat,
male authority as dominance,
male protection as control,
male provision as a power imbalance,
male competition as aggression.
The manifesto now attempts to reclaim some of these qualities – but still on the condition that their legitimacy must first be established through a feminist scrutiny.
The new formula
The central statement reads, in essence:
Be the man you want to be – but only ever whilst taking responsibility for others.
Ultimately, this is distilled into the following formula:
Freedom with responsibility. Strength that empowers rather than restricts.
The model thus consists of two elements:
Modern masculinity is indeed realised through individual freedom, but this is only ever legitimised by taking responsibility for others.
At first glance, this sounds balanced.
A man is allowed to:
work out, build muscle, be ambitious, provide for his family, protect others, assert himself, pursue a career, be a stay-at-home dad, be sensitive or artistic, cry and accept help.
The text thus explicitly rehabilitates characteristics that had, to some extent, come under general suspicion in progressive discourse.
This is a clear correction.
But the formula contains an asymmetry:
A man’s freedom is immediately linked to his responsibility towards others.
What others owe him remains open.
The man remains a functionary
A man is allowed to be strong – but his strength must serve others.
He is allowed to assert himself – but only to ‘make space for others’.
He is allowed to protect – but only ‘on an equal footing’.
He may provide for others – but provision is defined above all as care.
He may take on responsibility – for family, friends, clubs, society and for the freedom of others.
Any masculine trait must first be subjected to a feminist scrutiny, which only then prescribes its legitimacy based on its benefit to others.
In the text, a man’s strength has only limited intrinsic value. It becomes legitimate if it does not restrict anyone, opens up space for others, allows others to flourish, supports equality and challenges existing structures – but always only in the interests of others, never in his own interest.
Thus, the man remains in his traditional role, even though the manifesto aims to overcome traditional roles:
He is expected to perform, protect and enable, but must always bear responsibility solely for others.
What is new, above all, is that these duties are no longer justified on patriarchal grounds, but on progressive ones.
The old model said: Be strong, because as a man you must support your family and community.
The new model says: Be strong so that others can be free.
The rationale is changing. The expectation that men should take on responsibility remains.
Manhood is to be fulfilled through achievement (self-sacrifice) – particularly for women’s sake.
A man’s freedom – but within a prescribed feminist framework
The text explains that there are ‘endless ways’ to be a man. You can watch football or go dancing, build muscle or write poetry slams, pursue a career or be a stay-at-home dad.
This is freedom of lifestyle.
Less open is the freedom of political interpretation.
A man is allowed to be many things. But he is apparently not supposed to come to the conclusion that men can also be structurally disadvantaged, that feminism does not automatically liberate men, that gender conflicts did not arise exclusively from male dominance, that women can also exercise power and enjoy institutional advantages, and that male suffering is not primarily caused by male role models.
The manifesto explicitly claims that feminism and modern masculinity are not competing projects, but rather pursue the same goal.
However, this is not examined; rather, it is boldly assumed without scrutiny.
Thus, a further axiom is:
Whatever liberates men must be an integral part of feminism or, at the very least, be consistent with it.
No independent sphere of understanding concerning men’s issues emerges.
The actual cause of male suffering
At one point, the text mentions a specific, serious disadvantage faced by men:
Men are more likely to commit suicide and less likely to talk about their problems.
The explanation follows immediately:
The traditional image of masculinity has cut men off from their humanity. This is characteristic of the paper as a whole: a male problem is recognised, but explained primarily as a consequence of male socialisation or traditional masculinity:
The problem facing men stems from an outdated image of masculinity, the defining characteristic of which is a lack of openness.
Other possible causes are not examined:
- separation and loss of contact with children,
- unemployment and loss of economic status,
- homelessness,
- a lack of institutional support,
- criminalisation or false accusations,
- work that poses a risk to health,
- a lack of social networks,
- a lack of social empathy for male failure.
The model recognises male suffering, but it continues to treat men predominantly as contributing factors to their own problems:
He suffers because he does not speak out, does not seek help, represses his feelings or conforms to an inappropriate role model.
It does not ask: What happens if he speaks out, but nobody listens?
Or: What happens if his problem is caused not by emotional factors, but by institutional ones?
The crucial blind spot: power
The manifesto frequently refers to ‘systems’, ‘structures’, ‘dominance’ and ‘oppression’.
But power is only conceptualised in one direction:
Male power as a threat to others
What remains invisible:
Institutional power over men
Female power over fathers and children
State power over men, particularly as fathers
This would be particularly crucial in family law.
A father may fully embody the ideal described in the manifesto: caring, non-violent, emotionally responsive, responsible, present, cooperative and child-centred.
And yet, following a separation, he may find that his contact with the child is reduced, that the mother determines the child’s primary living arrangements, that he is relegated to the role of a parent with visiting rights, that institutional decisions are made without his equal involvement, and that responsibility and actual rights become disconnected.
The manifesto offers no voice for this father.
His failure cannot be explained by ‘toxic masculinity’. It arises precisely where a man wants to take on the required responsibility, but is denied the structural opportunity to do so.
Fatherhood is reduced to acts of care
The text mentions the father who makes time for his children, changes nappies and wipes away tears.
This is positive, but remarkably limited.
Fatherhood is portrayed as a collection of caring activities. What is not addressed is:
- the father’s unique role in bonding,
- paternal authority and guidance,
- the father’s protective role,
- long-term shared parental responsibility,
- the legal safeguards for the father-child relationship,
- the importance of the father following separation,
- the child’s right to both parents.
The father is, in a sense, integrated as an additional carer under the mother’s dictates. He is expected to act on the mother’s behalf.
The following model is not developed:
Father and mother are two independent, equal and not arbitrarily interchangeable figures in the child’s life, each bearing their own responsibilities.
It is precisely here that the limitations of this approach become apparent. The manifesto conceives of fatherhood from the perspective of desired behaviour. It does not view it as a relationship that requires institutional protection.
Duties without corresponding rights
This is the central flaw in its construction.
The manifesto demands the following of men:
- responsibility,
- self-reflection,
- care,
- protection,
- emotional openness,
- consideration,
- Equality,
- commitment to challenging structures that restrict others.
However, it does not specify:
- the right to a relationship with one’s own children,
- protection from violence,
- protection from false accusations,
- the right to institutional fairness,
- the right to healthcare support,
- Protection from exploitation and hazardous work,
- societal recognition of male victims,
- recognition of men’s lifetime achievements.
The system proposed by the Greens is therefore as follows:
A man’s fulfilment in life lies in taking responsibility for others.
The reverse is missing:
Society taking responsibility for men.
A viable model would have to combine both: responsibility and rights.
Where responsibility is demanded without the freedom to make choices, recognition or rights, the result is not freedom, but abuse and excessive demands.
The key confusion: role model and life situation
The manifesto treats the problem of young men primarily as a problem of orientation.
Young men are said to receive conflicting messages. Right-wing influencers offer them simple answers, scapegoats, strength and a sense of purpose. Progressive politics must therefore offer a better image of masculinity.
That may be part of the problem.
But it is possible that cause and effect are being confused here.
Young men are not seeking guidance simply because they lack a positive narrative. Some of them face very specific life circumstances:
- poorer educational outcomes,
- job insecurity,
- limited prospects for social mobility,
- uncertainty regarding relationships and family life,
- dwindling social recognition,
- a lack of political representation of their issues
- availability for dangerous tasks
- willingness to serve the state in matters of military options.
A narrative is no substitute for a solution to the problem.
The manifesto therefore treats young men’s disengagement more as a question of misguided offers of meaning:
The lack of direction among young men leads to a susceptibility to right-wing ideas.
An alternative explanation would be:
Concrete discrimination, a lack of recognition and moral humiliation lead to political disengagement.
This second possibility is not examined.
Men are addressed, but not included
The tone is conspicuously caring:
- You’re allowed to be strong.
- You’re allowed to cry.
- You’re allowed to have muscles.
- You’re allowed to have a career.
- You’re allowed to be a stay-at-home dad.
That sounds inviting.
But it also has an air of authorisation about it:
A political group tells men which forms of male existence are now recognised as legitimate.
The phrase ‘you are allowed to’ presupposes a speaker who holds the power of cultural recognition.
The man is thus not invited, as an independent political subject, to describe his experiences. Instead, he is presented with a new, expanded range of roles.
The paper addresses men, but does not appear to be based on the realities of men’s lives.
What is completely missing from the model
A systematic and serious approach to men’s policy would need to distinguish between at least the following levels:
Biological level
- different health risks,
- life expectancy,
- physical vulnerability,
- reproduction and fatherhood.
Psychological level
- Attachment,
- identity development,
- male coping strategies,
- different forms of communication and seeking help.
Social level
- Education,
- relationships,
- work,
- status,
- Community,
- Club life,
- Loneliness.
Institutional level
- Family law,
- Youth welfare,
- Protection against violence and victim support,
- Healthcare,
- Criminal law,
- Social policy.
Cultural level
- Perceptions of men,
- dignity,
- recognition,
- Heroism,
- willingness to make sacrifices,
- historical achievements and burdens.
The manifesto remains almost entirely on a cultural and moral level.
It alters descriptions, not structures.
The model diagram
The manifesto outlines roughly the following sequence:
Traditional masculinity leads to dominance, harshness and oppression
Dominance, harshness and oppression lead to the suffering of women and men
The suffering of women and men leads to feminist deconstruction
Feminist deconstruction leads to a lack of direction
A vacuum of direction leads to the influence of the Manosphere and right-wing ideologies
The influence of the Manosphere and right-wing ideologies gives rise to the construction of ‘ ’ masculinity
Modern masculinity leads to freedom, strength and responsibility for others
What is missing from this model:
- Men’s independent interests highlight institutional discrimination and women’s agency.
- Men’s independent interests demand rights as a prerequisite for responsibility.
- By incorporating fatherhood as an expression of masculinity, the father–mother–child triangle must be institutionalised as the fundamental structure.
What a more comprehensive model might look like
A more viable manifesto could start from a different premise:
Men are neither mere historical rulers nor incomplete women. They are human beings with their own physical characteristics, forms of attachment, achievements, vulnerabilities, needs, rights and responsibilities.
It would follow from this that:
Good masculinity = personal responsibility + responsibility for others + legitimate self-interest + socially guaranteed rights
For fathers, the formula would have to be:
Paternal responsibility ↔ paternal relationship ↔ paternal rights
And for the child:
The child’s best interests = a secure relationship with both mother and father
provided there are no specific risks to the contrary.
This would not be a return to patriarchy. It would be the institutional implementation of what the manifesto calls for only in moral terms: actually enabling responsibility.
Summary
The paper is certainly significant because it documents a genuine shift in understanding within the Green movement:
The exclusive focus on masculinity as a problem has created a vacuum.
This is a remarkable act of self-correction.
But the manifesto stops halfway.
It rehabilitates masculine strength without truly acknowledging masculine interests.
It calls for responsibility without specifying the rights necessary to fulfil it.
It acknowledges male suffering, but explains it largely in terms of toxic masculinity.
It describes caring fathers, but fails to protect the father-child relationship institutionally.
It promises freedom, but confines that freedom within the existing feminist framework of interpretation.
My pointed summary would be:
The manifesto frees men from the obligation to conform to a single image of masculinity. However, it does not free them from the obligation to legitimise their existence primarily through their usefulness to others.
Or, to put it even more succinctly:
Men are allowed to be strong again – but only ever in the service of others, particularly women.