Am 09.02.2026 kam es im Rathaus in Stuttgart zu einer Veranstaltung, die vom intendierten Ansatz her bemerkenswert war und Beachtung verdiente. Die Organisation maenner.bw schloss sich mit dem Landesfrauenrat zusammen, um unter Einbeziehung der Gleichstellungsarbeit in Stuttgart „gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und konkrete Schritte in Richtung Gleichstellung zu gehen.“
Das ist natürlich mein Thema.
Ich stand also um 6 Uhr auf, was ich mir nur noch in absoluten Ausnahmesituationen antue und nahm den ÖPNV nach Stuttgart. Dort bestieg ich den Bus 44 in die falsche Richtung und verlor damit rund 45 Minuten für eine nicht eingeplante Stadtrundfahrt auf den Killesberg.
Thomas Altgeld, Vorsitzender des Bundesforums Männer, war dabei „die Rolle von Männern in der Gleichstellungsarbeit“ zu beleuchten und zu diskutieren, „welche politischen und gesellschaftlichen Bedingungen notwendig sind, damit partnerschaftliche Gleichstellung gelingen kann.“
Männer nach Trennung und Scheidung kamen darin nicht vor, obwohl dieses Segment in der BRD einen Anteil von 10 bis 20 Millionen Männern betrifft und obwohl gerade die Situation dieses Segments von Realität völlig anders funktioniert als der gesamte Rest der Bevölkerung – was ein politisch an hervorgehobener Position angesiedelter Mensch in diesem Land wissen muss. Es ist einfach nicht möglich, dieses völlig schräg funktionierende Element von Realität einfach nur auszublenden, wenn man den Anspruch erhebt, „neue Perspektiven zu entwickeln“ und „bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen“.
Das folgende Referat von Anne Waag war für mich einfach nur ärgerlich. Männer nach einer Trennung mit Kindern wurden ausschließlich negativ adressiert. Dass sie eine lesbisch orientierte Co-Mutter ist, spielt für mich keine Rolle. Was sie sagt, aber schon. Das feministische Märchen von der guten Frau, die IHRE Kinder erzieht – auch dann, wenn sie die Kinder von anderen sind – und dem bösen Mann, der – wie in ihrem Fall – das Familiengericht bemüht, um sein Kind nicht mehr als zu 15% betreuen zu müssen, kontrastiert so grotesk zu meiner täglichen Arbeit seit 25 Jahren, dass ich mir das nicht brav beklatschend anhören muss. Wenn dann noch die Geschichte von den Milliarden an Unterhaltszahlungen kommt, die der Staat leisten muss, weil Väter nicht zahlen wollen, gehe ich dann doch lieber auf den Flur und lasse die anderen brav klatschen.
Als ich wieder zurückkam, war gerade der Diskussionsraum für das Plenum geöffnet und meine Körpersprache hat den Mann mit dem Mikrofon wohl dazu animiert, zu meinen, ich hätte mich gemeldet. Ich nutzte überrascht die Gelegenheit und erklärte, dass ich mich als im falschen Gremium fühle und dass ich nicht allein all das richtigstellen könne, was hier so brav als politisch korrekte Äußerungen beklatscht wird. Ich habe den Eindruck, einen ganzen Tag aus dem wertvollen Rest meines Lebens gerade in den Sand gesetzt zu sehen.
Das war wohl für (fast) alle eine unerwartete Reaktion. Nur die, die mich kennen, wissen, dass mit einer kritischen Stimme gerechnet werden muss. Ich konnte Staunen, Unverständnis, Irritierung und auch die politisch eingeübte Grins-Maske erkennen. Nur ganz zaghaft waren Zugänge zu meinen Inhalten erkennbar.
Wir stehen 25 Tage vor einer Wahlentscheidung im Musterländle. Diese wird wieder ein Paukenschlag werden – mit dem weichsten Watteschlegel, den es gibt (ich habe selbst einmal Kesselpauke im Orchester gespielt), aber immerhin. Für eine (sanfte) Wende in BW wird es sicher reichen.
Und alles, was wir machen, ist, den Lack über dem Rost so zu polieren, dass man meinen könnte, alles sei edel und wertvoll.
Ich stehe dafür nicht zur Verfügung.
Ich bin konfrontiert mit einem verständnisvollen Grinsen – mit einer Portion Mitleid darunter: Aber das, was ich meine, wäre doch mitgedacht gewesen. Ich hätte das nur nicht richtig verstanden.
Das, was hier abläuft, ist noch grotesker, als ich es mir vorstellen konnte.
Und das Übelste:
Wir müssen froh darüber sein, dass SO VIEL überhaupt möglich ist.
Es könnte ja noch VIEL SCHLIMMER sein.