Ehe für alle

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Ehe für alle

Wie wir bei der Tagung „Liebesleben hoch sechs“ 2013 in Kassel erfahren haben, gibt es außer Hetero-, Homo-, Bi-, Trans-, Inter- und Asexualität humanbiologisch-medizinisch noch we ...

Wie wir bei der Tagung „Liebesleben hoch sechs“ 2013 in Kassel erfahren haben, gibt es außer Hetero-, Homo-, Bi-, Trans-, Inter- und Asexualität humanbiologisch-medizinisch noch weitere rund 4000 sexuelle Identitäten. Wir haben weiter erfahren, dass z.B. die Evangelische Kirche das jetzt alles erkennen und wertschätzen will, was bedeutet, dass alle davon betroffenen Erwachsenen das Recht haben, diese Identitäten auch diskriminierungsfrei leben zu können.

Von diesem Recht auf Ausleben der eigenen sexuellen Identität soll gerade nicht nur Nischendasein in Begegnungen betroffen sein, sondern dieses Recht betrifft alle Lebensgemeinschaften, die füreinander Verantwortung übernehmen.

Soweit ist dies auch durchaus Konsens.

An den Begriff „Lebensgemeinschaften“ ist in der öffentlichen Diskussion auch immer die Diskussion um die Gültigkeit von Ehe und Familie gekoppelt. D.h., wenn wir vom diskriminierungsfreien Ausleben eigener sexueller Identität sprechen, wird so argumentiert, als würde von der Ausweitung des Familienbegriffes gesprochen.

Es wird nicht zwischen „Lebensgemeinschaft“ von Erwachsenen und „Familie“ mit Kindern unterschieden.

Und eben darin liegt das Problem.

Muss jede partnerschaftliche Lebensform von Erwachsenen auch eine Elternfunktion haben dürfen?

Sind Kinder als Erweiterung und Befriedigung eines egozentrisch orientierten Lebenskonzeptes nutzbar?

Nach der Anschaffung eines komfortablen Lebensrahmens wie Wohnung, Auto, Großbildfernseher und allem, was man als erstrebenswert ansieht, kommt als Krönung die Frage, ob man sich jetzt nicht doch neben dem Hund endlich auch ein Kind „leisten“ sollte.

Nehmen wir den Fall an, dass schwule Lebenspartner, die sich ein Kind wünschen, ein kleines Mädchen adoptieren. Dieses Mädchen trägt keine Erbinformationen seiner Zieh-Eltern in sich.

Was können diese beiden Zieh-Eltern?
Was können sie nicht?
Was braucht das Kind – in verschiedenen Altersstufen?
Was sollte der Staat regeln?

Pubertierende wollen von der Sexualität ihrer Eltern nichts wissen. Sie weichen diesem Thema instinktiv aus.

Kinder in Sonderformen sexueller Identitäten sind dazu gezwungen, sich mit der Sexualität derjenigen Personen auseinander zu setzen, die für sie Elternfunktion übernehmen.

Im Extremfall sind sie dazu genötigt, die Sexualität ihrer „Eltern“ öffentlich verteidigen zu müssen, sie müssen eventuell diesen den Rücken frei halten, damit sie ihre sexuelle Identität ausleben können. So ist dies zumindest immer noch. Ignorieren oder es anders haben wollen, ändert die Situation nicht.

Das überfordert Kinder, benutzt sie. Wir müssen darüber nachdenken, wo der Kindesmissbrauch beginnt.

Die Evangelische Kirche will gelebte Elternschaft allein von der Qualität der Beziehungen abhängig machen und tut so, als ob damit alle Restfragen geklärt seien.

Aber in jeder Diskussion fehlt eben eine Komponente:

Erziehungsleistung und Reifung bedeutet immer auch die Auseinandersetzung mit dem Spiegel der eigenen genetischen Identität. Nur in dieser Auseinandersetzung vollzieht sich der Reifungsprozess, der schließlich die Annahme der eigenen Identität vor dem Spiegel der Herkunft gestaltet.

In der Diskussion – auch jetzt in den Medien – geht es ausschließlich um erwachsenenorientierte Interessen.

Dahinter steht aber der Kurzschluss Lebensgemeinschaft = Ehe = Familie mit Kindern.

Erwachsene untereinander dürfen immer machen, was auch immer sie wollen, solange sie damit nicht in die Sphäre anderer unzulässig eingreifen.

Sobald aber Kinder ins Spiel kommen, muss neu nachgedacht werden dürfen. Eben dies wird aber seit Jahren notorisch ausgeklammert.

Insbesondere Trennungsväter nehmen seit vielen Jahren wahr, dass Mütter bestimmen, wer die Väter ihrer Kinder sind und dass sie diese auch oft beliebig auswechseln. Lesbische Paare „besorgten“ sich schon immer Kinder, während schwule Männer oft keine Möglichkeit hatten, denselben Wunsch umsetzen zu können.

Damit haben Mütter die Definitionshoheit darüber, was Elternschaft ausmacht.

Alle Forschungserfahrungen zur Bedeutung genetischer Elternschaft werden dabei ignoriert. Die Bedürfnisse von Kindern sind kein Thema.

Elternfunktion – und dabei insbesondere die Rolle von Vätern – ist inzwischen beliebig austauschbar und wird bestimmt von egoistischen Erwachseneninteressen (meist den Interessen von Müttern).

Genau diese Entwicklung wird jetzt auch auf breiter Ebene politisch zum Programm erhoben.

Wir werden die Folgen nach Straßburg bringen.