„Kinderlähmung“ der deutschen Familienrechtspraxis

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„Kinderlähmung“ der deutschen Familienrechtspraxis

  Ich habe heute als Beistand für einen Vater von diesem folgende Mail erhalten:   Hallo Franzjörg Krieg, ich habe ein Schreiben für einen neuen Gerichtster ...

 

Ich habe heute als Beistand für einen Vater von diesem folgende Mail erhalten:

 

Hallo Franzjörg Krieg,

ich habe ein Schreiben für einen neuen Gerichtstermin bekommen.

Ich habe lange überlegt und möchte das Ganze abbrechen. Aus folgendem Grund:

  1. Ich bin in finanzieller Schieflage, mein Konto ist im Minus, ich weiß nicht, wie ich alles bezahlen soll, ich habe erst eine Rechnung von 700€ fürs Gericht bekommen (ich frage mich, wofür?)! Einen Antrag auf Prozesskostenhilfe habe ich zwar gemacht, es wurde aber entschieden, dass ich alles in Raten bezahlen muss. Dass ich auch noch andere Ausgaben habe, wird hier wohl nicht beachtet. Ich kann mir einen weiteren Prozess beim besten Willen nicht leisten! Den Umgangspfleger werde ich auch noch irgendwie bezahlen müssen (Dafür, dass er nichts erreicht hat!)
  1. Seit Februar 2016 kämpfe ich um das Umgangsrecht mit meinem Sohn, habe alle Gerichtsprozesse „gewonnen“, trotzdem habe ich meinen Sohn nur 2 Mal gesehen und das auch nur aufgrund der beliebigen Laune meiner Ex! Die Beschlüsse sind für mich nur sehr teures Papier, wertlos, da sie nie durchgesetzt wurden. Auch hier versagt unser Rechtsstaatsystem komplett.
  1. Von einem weiteren Gerichtstermin erhoffe ich mir nichts mehr, da ich mittlerweile alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft habe, selbst der Umgangspfleger konnte nichts ausrichten. Ich denke, ich muss akzeptieren, dass diese Frau unantastbar ist, zumindest in Deutschland, wo ich leider lebe.
  2. Ich bin durch den bisher sinnlosen Kampf um mein Kind psychisch sehr angeschlagen, habe schon länger Herzprobleme und es ist für mich eine sehr große Belastung, diese Gerichtstermine wahrzunehmen. Ich habe auch Angst um meinen Arbeitsplatz, aufgrund meiner gesundheitlichen Entwicklung, da ich die letzten 1,5 Jahre sehr oft krankgeschrieben war.

 Wie kann ich das Ganze abblasen? Kann ich das einfach so ans Gericht schreiben?

 Es ist nicht so, dass ich meinen Sohn weniger lieb habe, aber es bringt ihm auch nichts, wenn ich obdachlos bin!

 

Diese Mail bezeichnet den Grund, warum ich mich 2001 dazu entschlossen habe, mein bisheriges Leben total zu verändern. Ich habe den VAfK Karlsruhe gegründet und konsequent weiter ausgebaut.

Das Problem ist die „Kinderlähmung“, die unser System von Familienrechtspraxis erzeugt. Ich spreche also nicht von den ideologischen politisch gesteuerten Abläufen, die unsere an sich schon problematische Gesetzeslage erzeugen und ein eigenes Problem darstellen. Ich spreche von den Stimmungen und ideologischen (Mode-)Trends, die dafür sorgen, dass bestehende Gesetze nicht beachtet werden (und natürlich gibt es eine Verbindung zwischen beiden Komponenten).

Ich spreche davon, dass §1684 BGB zwar existiert, dass aber eine hartnäckig dagegen handelnde Mutter nichts zu befürchten hat. Oder davon, dass Kindeswohl immer nur aus der Sicht der Mutter bewertet wird („Sorgen Sie dafür, dass es der Mutter gut geht, dann geht es auch Ihrem Kind gut“!). Oder davon, dass Kommunikationsverweigerung der Mutter ihre Macht weiter sichert, offiziell und höchstrichterlich durch das BGH bestätigt! Oder davon, dass Mütter hemmungslos Väter der Gewalt oder des Sexuellen Missbrauchs bezichtigen können und dass das Strafrecht mit seinem § 145d, Vortäuschen einer Straftat, auch bei klarer Mutwilligkeit gegen eine Mutter nicht angewendet wird, gegen einen Vater aber schon. Oder davon, dass Kontinuität immer für die Mutter zählt (unter der Voraussetzung, dass sie den Kindesbesitz inne hat). Oder auch davon, dass die familiale Gerichtsbarkeit gegen die hartnäckige Verweigerungshaltung einer Mutter machtlos ist und die Konsequenzen allein das Kind und der Vater zu tragen haben.

Und das ist zunächst ein typisch deutsches Problem. In Frankreich, nur 20 km Luftlinie von hier über die Grenze, wird damit schon anders umgegangen.

Im europäischen Kontext – und da insbesondere im Vergleich zu Schweden – ist es ein blamables Armutszeugnis für ein Deutschland, das sich stolz als „Rechtsstaat“ präsentiert.

Und darüber hinaus ist es natürlich im Interesse einer international wirksamen Frauenförderpraxis ein Problem in allen westlichen Industrienationen.

Wenn wir uns aber allein auf die in Deutschland hausgemachten Blamagen konzentrieren – mit Beachtung der entsprechenden Verurteilungen Deutschlands durch den EGMR – wäre das schon sehr hilfreich.

 

 

Als Sohn des letzten Wagnermeisters im deutschen Südwesten 1948 geboren. Abitur nach 2 Kurzschuljahren 1966 - und damit mit dem Vorteil versehen, als geborener Handwerker und Bauer den Weg zu den Qualifikationen eines Akademikers beschritten zu haben. Studium an der PH Karlsruhe bis zum Realschullehrer mit Hauptfach Musik. Lehrer an den Realschulen in Rastatt, Baden-Baden, Karlsruhe-Durlach, Bretten, Pfinztal-Berghausen und wieder Baden-Baden. Pensioniert 2012. Höhlenforscher und Höhlentaucher seit den 70er Jahren mit internationalen Expeditionen und Neuforschungen. Musiker in den Sparten Tanzmusik, Folklore, Rock, Jazz und Musik des Mittelalters und der Renaissance auf verschiedenen Instrumenten (Tasteninstrumente, quintgestimmte Zupfinstrumente, Schlagzeug, Pauken u.a.) Inhaber des wohl umfassendsten Ensembles zur Geschichte des Wagnerhandwerks im deutschsprachigen Raum.